Wolfgang Hermann

Durchs Fenster

Die Landschaft ist ein Bild, durch das von Zeit zu Zeit ein lebender Vogel fliegt. Ein müdes Pferd zieht ein altes Fuhrwerk den Feldweg entlang. Mag sein, daß das Fuhrwerk nur eine Luftspiegelung aus anderer Zeit ist. Mag sein, daß das Fenster ein Fenster auf den Hof der Zeit ist. Es ist schön, durch es zu sehen, denn so steht die Zeit still und zeigt, daß alles auf diesem Bild zugleich ist. Das Fenster malt die Zeit.



Zweite Welt

Zur Mittagsstunde, wenn das windtrockene Südland schläft, tanzen die Schatten der Blätter der Akazien am Fuß des Hügels. Der Tanz der Blätter folgt dem Licht. An trüben Tagen verschwindet der Schatten, der Wind bleibt in seinem Versteck. Im scharfen Licht des Nachsommers, wenn der West in den Baumkronen wispert, erzählen die Schattenbilder der Blätter ihre langsame Geschichte vom aufsteigenden und schwindenden Licht des Jahreslaufs. Eine zweite Welt wird sichtbar.


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