Alexander Peer, Reisen im Ankommen,
Paliano / Juni 2013

Mittlerweile bin ich hier ganz gut angekommen. Mit den Tücken mehr vertraut. Der Gasherd ist vielleicht ein klischeehafter Italiener, kaum drehe ich mich eine Minute weg von ihm, um etwa Zucchini zu schneiden, schon sorgt er mit dem Anbrennen des Essens für eine Kränkung meinerseits. Dieser feurige Typ. Vielleicht weil ich ihm nicht die uneingeschränkte, gebührende Aufmerksamkeit widme? Er lässt – wenn man ihn lässt – alles anbrennen ... ach, am liebsten wäre er wohl ein feuerspeiender Drache geworden ...

Identitätsstörungen können die Folge sein, wenn ich vom Schreibplatz aus durch das große Fenster auf die Landschaft schaue. Ich hätte nie gedacht in Sepp Forcher einen passenden Zitatspender zu sehen, doch diese Sendung mit dem Titel "Ins Land einischaun" trifft das Charakteristikum der Lage der Casa Litterarum. Es ist eine leichte Anhebung, die keinen herablassenden Blick zulässt, sondern einen gleitenden, der sich geradezu in der Landschaft verläuft.
Dass sich eine Landschaft "erstreckt" wird hier zu einem Attribut, das besser kaum passt. Das kann einem im Pinzgau selten ... nein, gar nicht ... passieren. Zu rasch taucht schon der nächste Berg auf und drängt sich ins Blickfeld, außerdem kann man im Salzburger Land rauf oder runter blicken, aber eben nicht rein.

Am Freitag waren die Traktoren unterwegs, um die Wiesen zu mähen. Der Eingriff des Menschen in die Natur scheint hier etwas Zumutbares zu wahren. Die Einfachheit der Handlungen unterstützt eine vereinfachende Betrachtung der Welt. Aber die Vereinfachung droht in einem Verlust von Sprache zu enden.
Nur, wenn ich mich über die Ab- und Aufgründe der Sprache und der Motive derjenigen, die sie zu diesen oder jenen Zwecken verwenden, nicht mehr beklage und echauffiere (um ein wenig österreichisch zu klingen), dann habe ich eine grobe Geschäftsstörung zu meistern (andererseits habe ich einmal eine "wortlose" Seminararbeit abgegeben mit 20 Seiten Fußnote, die das Verweigern einer Stellungnahme ausführlich erklärte; der Professor hatte damals keinen Sinn für diese Eigenart; „Dadaismus ist vorbei“).

Ein Text ist immer etwas Abfallendes vom Menschen. Ein Text bleibt gewissermaßen liegen, während der, der ihn schrieb, gar nicht anders kann, als weiter zu gehen. Aber wohin soll einer gehen, der sich so an einem Text abgearbeitet hat wie ich an „Bis dass...“?
Der muss doch gewissermaßen aus dem Schreiben heraus? Aus dem Schreiben kann man sich heraushalten, aber aus der Sprache nicht … nur der Mönch mit Schweigegelübde … aber ein erwiesener Epikureer wie ich schafft das einfach nicht.

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Fotos: Stefan Müller