Namensliste

– B –

Biographie

Arnolt Bronnen

1895: Arnolt Bronnen (eigtl. Arnold Hans Bronner) wird in Wien als Sohn von Dr. Ferdinand Bronner (lit. Pseudonym Franz Adamus) und Martha Bronner, geb. Schelle, am 19. August geboren.

1896: Übersiedlung der Familie nach Jägerndorf / Österreichisch-Schlesien, wo der Vater Professor an der Staats-Realschule wird.

1900: Umzug der Familie nach Wien.

1913: Arbeit am siebenaktigen Drama»Das Recht auf Jugend« (geht später in»Die Geburt der Jugend« und»Vatermord« auf). Matura. Einschreibung an der Juristischen Fakultät (bis einschließlich WS 1914/15).

1915: Aufnahme in das 59. Infanterieregiment, später in das 3. Tiroler Jäger-Regiment.

1916: Kehlkopf- und Schulterdurchschuß. Italienische Kriegsgefangenschaft (bis Ende September 1919).

1918: Arbeit an»Sturm gegen Gott«.

1919: Rückkehr nach Wien aus der Gefangenschaft. Umarbeitung von»Die Geburt der Jugend« und»Vatermord«. Einschreibung an der Philosophischen Fakultät für Deutsche Philologie und Philosophie.

1920: Umzug nach Berlin. Angestellter bei der Raiffeisenbank, dann beim Warenhaus Wertheim. Druck von»Vatermord« und einem Akt von»Die Geburt der Jugend« in Alfred Wolfensteins Jahrbuch»Die Erhebung«.»Vatermord« erscheint bei S. Fischer (UA 1922).

1921: Bekanntschaft mit Bertolt Brecht.

1922:»Die Geburt der Jugend« erscheint bei S. Fischer (UA 1925). Theaterskandal bei der UA von»Vatermord« (Regieanweisungen: Bertolt Brecht. Verlagswechsel von S. Fischer zu Ernst Rowohlt. Bronnen wird freier Schriftsteller.

1923: Gemeinsam mit Brecht Drehbuch»Robinsonade auf Assuncion« (u.d.T.»S.O.S. Insel der Tränen« verfilmt).»Septembernovelle« und das Lustspiel»Die Exzesse« (UA 1925) erscheinen. Inszenierung von Hans Henny Jahnns»Pastor Ephraim Magnus« für den Bühnenverein. Bronnen hört in München eine Rede Hitlers. Arbeiten für den Film und Bekanntschaft mit Murnau.

1924: Die Novelle»Napoleons Fall« erscheint. UA von»Katalaunische Schlacht« in Frankfurt (Proteste des Nationalverbands deutscher Offiziere gegen eine Aufführung in Gera) und von»Anarchie in Sillian« (ursprünglich u.d.T.»Verrat«) am Deutschen Theater.

1925: Der Roman»Der blaue Anker« wird im»Berliner Börsen-Courier« abgedruckt.»Rheinische Rebellen« erscheint (UA).

1926: UA und Veröffentlichung von»Ostpolzug« und»Reparationen« (UA 1930). Beginn der dramaturgischen Tätigkeit beim Rundfunk.

1927: Hörspielbearbeitungen von Schillers»Wallenstein«-Trilogie,»Anarchie in Sillian«,»Rheinische Rebellen« und»Ostpolzug«. Immer engere Kontakte zu rechten Kreisen. Bekanntschaft mit Ernst Jünger.

1928: Bronnen wird Dramaturg bei der»Funkstunde« in Berlin (bis 1933). Hörspiele. Der Roman»Film und Leben. Barbara La Marr« erscheint. USA-Reise. Bekanntschaft mit Ernst Niekisch und Ernst von Salomon.

1929: Der Oberschlesien-Roman»O.S.« erscheint. Heftige Reaktionen in der linken, liberalen und rechten Presse. Bronnen behauptet seine»arische Abkunft«. Offentlicher Skandal um seine Rede bei der Tagung»Dichtung und Rundfunk« in Kassel. Bruch mit Brecht.

1930: Der Roman»Roßbach« erscheint. Teilnahme an der Störung von Thomas Manns»Deutscher Ansprache« im Berliner Beethovensaal. Bronnens Mutter bestätigt in einer eidesstattlichen Erklärung seine»arische Abkunft«. Bekanntschaft mit Otto Strasser, Joseph Goebbels und anderen Nationalsozialisten. Heirat mit der mit Goebbels gut bekannten Olga Förster-Prowe.

1932: Hörspiel»Mussolini«. Ende des persönlichen Kontakts mit Goebbels.

1933: Vorübergehende Beurlaubung und Hausverbot beim Rundfunk. Der Roman»Erinnerung an eine Liebe« erscheint (Negative Besprechung in»Deutsche Kulturwacht«). Bronnen unterzeichnet mit 88 weiteren Schriftstellern ein»Gelöbnis treuester Gefolgschaft« für Hitler.

1934: Das Hörspiel»Sonnenberg« wird gedruckt. Auseinandersetzung zwischen Alfred Rosenberg und Joseph Goebbels um Bronnen. Dienstliche Beschäftigung mit dem Fernsehen.

1935: Der Rundfunkroman»Der Kampf im Äther oder Die Unsichtbaren« erscheint unter dem Pseudonym A.H. Schelle-Noetzel. Bronnen wird bei der Reichsrundfunkgesellschaft bei weiterlaufendem Gehalt gekündigt (28. August). Selbstmord von Bronnens Frau Olga. Beginn der Arbeit an dem Napoleondrama»N« (UA 1951).

1936: Bronnen wird Dramaturg beim Fernsehen.»O.S.« wird irrtümlich beschlagnahmt. Heirat mit Hildegard von Lossow (2. Juli).

1937: Kündigung durch den Reichsrundfunk (24. März) und Aufhebung der Kündigung (Ende Juli). Ausschluß aus der Reichsschrifttumskammer und Berufsverbot als Schriftsteller.

1938: Barbara Bronnen wird geboren (19. August).

1939: Bestätigung des Ausschlusses aus der Reichsschrifttumskammer durch Goebbels (21. Februar). Schwere Erkrankung.

1940: Bronnen wird für politisch unzuverlässig erklärt (27. April). Einspruch gegen die Entlassung aus dem Rundfunk wird abgelehnt (10. Mai). Geburt der Tochter Franziska.

1941: Bronnen wird mit Rechtskraft vom 5. Mai als Arier anerkannt, dem - damit - Stiefvater Ferdinand Bronner eine günstige Entscheidung seines eigenen Ansuchens vom Reichssippenamt in Aussicht gestellt (17. Oktober). Wiederaufnahme in die Reichsschrifttumskammer bei»stillschweigendem Arbeitsverbot«. Finanzieller Vergleich mit dem Reichsrundfunk. Arbeit an»Gloriana« (UA 1951).

1942: Die geplante Aufführung von»Gloriana« an den Münchener Kammerspielen wird untersagt (UA 1951). Propagandaschriften für das Auswärtige Amt. Neuerliches Publikations- und Aufführungsverbot sowie Verbot der Berichterstattung über Bronnen (18. Dezember).

1943: Wiederholung des Publikationsverbotes für das In- und Ausland. Die neuerliche Aufhebung der Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer wird mit Bronnens»früherer schriftstellerischer Tätigkeit« begründet (27. Januar). Vorladung zur Gestapo. Übersiedlung nach Bad Goisern/Oberösterreich (August). Kontakte zu Widerstandsgruppen.

1944: Einberufung zum Landesschützen-Ersatzbataillon 11/17 in Steyr, später in Znaim. Aufgrund einer Denunziation Anklage wegenWehrkraftzersetzung und Inhaftierung in Wien. Schwere Erkrankung. Rückkehr zur Truppe und Mitarbeit beim Aufbau einer Widerstandgruppe (»Gruppe Schick«).

1945: Bürgermeister von Bad Goisern (7. Mai - 7. Juli). Anschluß an die KPÖ. Kulturredakteur der Linzer Zeitung»Neue Zeit« (Bis 1950).

1946: Geplante Aufführung von»Gloriana« am Burgtheater wird abgesagt. Tod von Bronnens Mutter.

1947: Nach Diskussionen um seine Vergangenheit veröffentlicht Bronnen in Otto Basils Zeitschrift»Plan« eine Rechtfertigung:»Fakten aus Akten«. Es erscheint eine gekürzte Fassung von»Film und Leben. Barbara La Marr«. Aufführung von»Michael Kohlhaas« am Volkstheater Urfahr.

1948: Aufführungen von»N. Schach dem Kaiser Napoleon« am Landestheater Linz und am Salzburger Landestheater. Bronnen läßt bei Johannes R. Becher vorfühlen wegen Aufhebung des Aufführungsverbotes in der deutschen sowjetisch besetzten Zone sowie wegen einer möglichen Rückkehr nach Deutschland. Tod von Bronnens Vater in Bad Ischl.

1949: Arbeit am Manuskript»Leben im Fegefeuer« (Vorstufe von»arnolt bronnen gibt zu protokoll«).

1950:»Die Kette Kolin« erscheint. Scheidung von seiner Frau Hildegard (25. November).

1951: Stellvertretender Direktor und Dramaturg der»Neuen Scala« in Wien und Mitarbeiter verschiedener Wiener Tageszeitungen. Vorgesehene Aufführung seiner Stücke»Die Kette Kolin« und»Michael Kohlhaas« an der»Neuen Scala« kommt nicht zustande. Kontakte mit Johannes R. Becher.

1952: UA von»Die jüngste Nacht« an der Studiobühne der Volkshochschule Linz. Ablehnung des Antrags auf Aufnahme in den österreichischen PEN-Club. Heirat mit Renate Kleinschmidt, geb. Bertalotti.

1953: Kulturredakteur beim Wiener»Abend« (bis 1955).

1954: Die Autobiographie»arnolt bronnen gibt zu protokoll« erscheint bei Rowohlt. Drehbuch»Gasparone« für die Wien-Film. Treffen mit Johannes R. Becher in Wien.

1955: Rückkehr nach Berlin (Ost) und Arbeit als Theater-, Film- und Fernsehkritiker bei der»Berliner Zeitung« (Dezember). Neuer Kontakt mit Bert Brecht. 1956: Der Bericht einer Reise durch die DDR»Deutschland - kein Wintermärchen« und der Roman»Aisopos. 7 Berichte aus Hellas« erscheinen. Hörspiel»Worms und Wittenberg« im Hessischen Rundfunk gesendet. Geburt des Sohnes Andreas.

1957: Reise nach Paris, Frankfurt, Hamburg, München. Besuche bei Wolfang Weyrauch, Hans Henny Jahnn, Ernst von Salomon, Ernst Rowohlt, Bernard von Brentano, Wolfgang Koeppen, Hans Werner Richter u.a.

1958:»Viergespann« (»Gloriana« ,»N« ,»Die Kette Kolin« ,»Die jüngste Nacht« ) erscheint im Aufbau-Verlag.

1959: Bronnen stirbt am 12. Oktober.

1960:»Tage mit Brecht. Geschichte einer unvollendeten Freundschaft« erscheint posthum.

1967:»Begegnungen mit Schauspielern. Zwanzig Porträts aus dem Nachlaß« , hrsg. von Harald Kleinschmidt, erscheint posthum.

(Deutscher Taschenbuch Verlag)