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Biographie

Aminata Sow Fall

wurde 1941 in Saint-Louis im Norden des Senegal geboren. Ihre Familie entstammt dem Fürstengeschlecht der Könige des Cayor, die vor der französischen Kolonialherrschaft einen Großteil des heutigen Senegal beherrschten. Zwischen 1962 und 1970 studierte sie an der Sorbonne in Paris Literaturwissenschaft, danach war sie Gymnasiallehrerin in Dakar und Mitglied der Kommission für Schulbuch- und Curriculareform des senegalesischen Erziehungsministeriums. Seit 1980 ist sie Leiterin der Literaturabteilung im senegalesischen Kultusministerium und Direktorin des Centre d'Etude des Civilisations, eines staatlichen Instituts zur Erforschung der mündlichen Literaturen und der Kulturen des Senegal. Sie ist Mitherausgeberin der teilweise in Wolof, der senegalesischen Nationalsprache, verfaßten Kulturzeitschrift »Demb ak tey« und seit 1985 Präsidentin des senegalesischen Schriftstellerverbandes. Aminata Sow Fall, eine der meistgelesenen und international bekanntesten Schriftstellerinnen Afrikas, bezieht in ihrem Werk – anders als etwa Mariama Ba oder Ken Bugul – keine dezidiert feministische Position. Frauenfiguren spielen in ihren Romanen keine herausragende Rolle, keine ihrer Protagonistinnen trägt deutlich autobiographische Züge. »Ich schreibe nicht aus dem Blickwinkel der Frauen« , sagte Aminata Sow Fall, die als eine der ersten Frauen des Senegal in hohe kulturpolitische Ämter gelangte, 1982 in einem Interview und unterstrich hierbei ihre Konzeption einer zugleich realistischen und militant engagierten Literatur. Ihre Aufgabe sei es, die tiefgreifenden sozialen und ökonomischen Veränderungen, die sich in den afrikanischen Gesellschaften der Gegenwart vollziehen, zu beschreiben und in eindrucksvolle Bilder und Parabeln zu fassen. Aminata Sow Falls »realistische Parabeln« vom Streik der Bettler (»La Grève des Bàttu« ), vom vermeintlichen Gespenst, das seinem eigenen Begräbnis beiwohnt (»Le Revenant« ), oder vom Lehrersohn, der sich fasziniert zur Welt des traditionellen Ringkampfes hingezogen fühlt (»L'appel des arènes«), sind zugleich Parabeln des Widerstandes: Versuche, mit dem Medium der Literatur der Macht des Geldes, dem Verfall traditioneller Wert- und Glaubensvorstellungen und der oberflächlichen Faszination durch europäische Lebens- und Konsumgewohnheiten Einhalt zu gebieten. 1980 wurde sie mit dem Grand Prix Littéraire dÕAfrique Noire für »Der Streik der Bettler« ausgezeichnet. 1997 wurde ihr vom Mount Holyoke College, South Hadley, Massachusetts, die Ehrendoktorwürde verliehen.