Die ÖGfL 1961 - 1990

Archiv, Kontexte, Internationalisierung

Zwischen 2016 und 2022 wurden am Institut für Germanistik der Universität Wien zwei Forschungsprojekte, die sich mit der Internationalisierung Wiens am Feld der Literatur sowie dem Selbstverständnis, der Literaturförderung und der (Außen-)kulturpolitik der Österreichischen Gesellschaft für Literatur (ÖGfL) beschäftigten, durchgeführt. Allen Materialien des Archivs wurden Signaturen zugewiesen und die Metadaten sämtlicher Dokumente aus dem Zeitraum von 1961-1990 wurden in eine webbasierte Datenbank aufgenommen. Die sich auf einer projekteigenen Website befindende Online-Archivsuche steht allen Nutzer*innen frei zur Verfügung.

Die Österreichische Gesellschaft für Literatur, 1961 als völlig neuartige Institution in der kulturpolitischen Landschaft Österreichs vom Kulturmanager und Literaturkritiker Wolfgang Kraus in enger Zusammenarbeit mit dem ÖVP-Bundesminister für Unterricht Heinrich Drimmel gegründet, diente als Drehschreibe zwischen internationalen und nationalen Autor*innen, Verleger*innen, Übersetzer*innen und Germanist*innen. Zielsetzung war die Etablierung einer eigenständigen, international anerkannten Literatur. Hilde Spiel beschreibt die ÖGfL noch 1980 als »das hochfliegendste Projekt [...], das ein Regierungsamt dieses Landes je zur Hebung des literarischen Bewußtseins zu realisieren versuchte.«  Als erste und älteste reine Literaturvermittlungsinstitution Österreichs verfolgte die ÖGfL als eines ihrer wichtigsten Ziele die Anerkennung einer – in Abgrenzung zur deutschen – eigenständigen österreichischen Literatur und war Vorbild und Reibebaum für nachfolgende Institutionen, wie z.B. für das Literarische Quartier – Alte Schmiede oder die Literaturhäuser in Wien und den Bundesländern.

Neben vielen anderen Intellektuellen und Autor*innen waren etwa Theodor W. Adorno, Ilse Aichinger, H.C. Artmann, W.H. Auden, Ingeborg Bachmann, Max Brod, Elias Canetti, Heimito von Doderer, Milo Dor, Günter Eich, Erich Fried, Günter Grass, Peter Handke, Peter Henisch, Zbiginiew Herbert, Eugène Ionesco, John Irving, Ernst Jandl, Imre Kértesz, Doris Lessing, Friederike Mayröcker, Alain Robbe-Grillet, John Steinbeck, Nathalie Sarraute, Friedrich Torberg, Johannes Urzidil, Martin Walser und Hans Weigel in der ÖGfL zu Gast.

Neben den Forschungspublikationen und den gehaltenen Vorträgen gibt die Website der Forschungsprojekte in Form einer Timeline Auskunft über die Geschichte der ÖGfL von 1961-1990. Zudem bieten die Netzwerke der ÖGfL einen Überblick über wichtige Autor*innen, Forscher*innen, Mitarbeiter*innen und Institutionen. Die Einträge sind mit Fotos, kurzen Beiträgen sowie Verweisen auf andere relevante Teile der Website versehen.
Darüber hinaus finden sich in Aus dem Archiv Kurz-Essays über wichtige Agenden der ÖGfL, etwa zur Außenkulturpolitik im kulturellen Kalten Krieg, zur Literaturförderung Wiens, zum Versuch der Etablierung einer internationalen Literaturstadt, zu Lesereisen und Auftritten von österreichischen Autor*innen im Ausland, u.v.m.


Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Günther Stocker
Projektmitarbeiter*innen:  Mag.a Ursula Ebel, MA; Mag. Holger Englerth; Nicole Kiefer, BA MA
Projektpartner: Österreichische Gesellschaft für Literatur
Gefördert durch den Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank
Website: https://ogl.univie.ac.at/

 

 

 

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1 SPIEL, Hilde: Die österreichische Literatur nach 1945. Eine Einführung. In: SPIEL, Hilde (Hg): Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart. Autoren. Werke. Themen. Tendenzen seit 1945. Die zeitgenössische Literatur Österreichs I. Frankfurt a.M.: Fischer 1980, S. 91.