Elmar Mayer-Baldasseroni

Es war eine durchwegs abenteuerliche Anreise in diesem März zweitausendundsechzehn, die mich von Wien über die heimatliche Obersteiermark in den Südkärntner Schnee und von dort in den venezianischen Regen brachte. Zum ersten Mal Venedig, Tintoretto unbewacht an den Kirchenwänden, altösterreichische Grandezza und wirkliches Flair. Weiter in die Toskana, wo mich dann die Spannung meiner Autobatterie verließ, weil ich erstmals ein Navi verwendete in meinem älteren eleganten Herrn. Mitten auf der Straße blieb ich untertrieben formuliert unentspannt im kleinen Dörflein Roccastrada stehen, wo auch mein Handy keinen Empfang mehr hatte. Ich bat eine hübsche junge Signorina für mich in der Pension anzurufen, was sie umgehend tat. Mein rumänischer Pensionswirt kam mir lächelnd mit dem Auto entgegen, gemeinsam mit einem zufällig in einem alten Jeep vorbeigekommenen älteren italienischen Signore gab er mir geduldig Starthilfe. Als ich dem Signore nach einer gefühlten Viertelstunde Pannenhilfe ein Trinkgeld oder ein Geschenk aus Österreich – ich hatte Dinkelnudeln und Roggenbrot dabei – anbieten wollte, wehrte er nur lächelnd ab und mein Pensionswirt setzte mich lachend zurück an den Volant meines Autos. Nein, dafür wollen wir nichts haben, nulla! Das nenne ich Gastfreundschaft. Einem Wildfremden gegenüber. Ähnlich Gutes widerfuhr mir viele Male. Wenn ich nach dem Weg fragte, wurden mir Skizzen gezeichnet, es wurde mir vorausgefahren und vieles mehr. Nulla! Niente! Grazie a te! bekam ich auch später immer wieder zu hören. Endlich in Paliano angekommen, durfte ich eine herrliche vorösterliche Realitätsentkopplung erleben. In ähnlicher Ruhe, in annähernder Idylle konnte ich jemals kaum leben geschweige denn künstlerisch tätig sein. Ein vorösterliches Elysium, in dem mir obendrein noch ein guter Hirte, fünf Schäferhunde und dreihundert Schafe auf der Weide erschienen. Nebenan nistende Bussarde, drei friedlich von mir aus dem Schlafzimmer bugstierte Skorpione, die Eidechsen an der Pforte, meine Leibwächter, die kleinen grünen Drachen neben meinem Freund, dem leider vagabundierenden orangeweißen Kater Giovanni, die dunkelblauwaagerechten Felder am Horizont in diesem ständig oszillierenden Amphitheater mit einer temporär orangehellleuchtenden Festtagsbeleuchtung hinten links. Alles hellweißgraublauviolette Schlieren, wie von Caravaggio gemalt, der ÖGfL, dem BKA für Kunst und Kultur und dem Principe Colonna sei Dank. Geschrieben, geschrieben, sehr viel geschrieben, la Pasqua, Olevano Romano und so weiter, süffiger Cesanese und Circeo, beide am besten in rot, und gleichsam vom Fleck weg von einer Mamma con la figlia zum Familienessen eingeladen. Einen Tag in Rom geblieben – Santa Maria Maggiore, la domenica della Divina Misericordia. Wieder heim über die Toscana und nach Padova zu Sant´Antonio, Carinzia e Stiria. Eine einzigartige Erfahrung. Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.

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