Isabella Feimer

mein Spiegelbild überflutet mich, das Ringen
mit Geschlecht und Herkunft versetzt mich ins
Kindsein, zurück in ausweglose Fantasie, in ein 
Michverlassen, um in mir zu sein. Salzwasser
schlucken und ertrinken und vollkommen sein, und 
die Frühlingsblüten abgefallen und Frühling die
überschätzte Jahreszeit. Erst wenn die Veilchen den
Wiesen vertrauen, schmücken sich die Jahreszeiten, 
ich erinnere mich. Der Aufbruch, die Stimmung, 
die Stimme brüchig von den Birkenpollen, vom Salz
im Wasser – was verwechsle ich?

Küken schlüpfen lassen. Hörst du, wie die Eierschale
knackt? Hörst die Wechselhaftigkeit des Wetters, 
siehst das Lächeln? Wie Wellen sein, einen Anfang
haben auf hoher See und dann im Sand verenden oder
an einer Klippe, ich welle, wie Frühling, Drang und
dachte an den Mond und seine Finsternis in dieser
einen Nacht und das Gras, das Richtung Sommer
wuchs. Mohnblumen färbten Horizonte rot und
rosa, noch schwiegen die Zikaden, noch Stille und
Eidechsen und ein paar Käfer, ihr Flug verwirrt von 
früher Hitze, damals, als der Mond verschwand. 

Aus: »Versuch einer Verpuppung« (Haymon 2025)