Sabine Gruber

Im April

Paliano, Latium

Manchmal spüre ich einen fremden Atem,
Sehe Schatten, Fußabdrücke  und vernehme
Doch nur die beiden Käuze im Steineichen
Bestand, höre das Hin und Her ihrer Rufe,
Ihr hartnäckiges Werben. Vom Himmel
Fällt feiner Staub. Die Blüten schütteln sich 
Im aufziehenden Sturm. Ich saß hier schon
Einmal vor sieben Jahren in Sichtweite 
Der sieben Hügel. Das Glück trug noch 
Hohe Schuhe und einen nackten Frack. 
Komm, laß uns noch einmal mit dem
Grünen Volvo durch die Landschaften 
Fahren, unter rosa Schlieren und schlaffen 
Wolkenschleiern. Es ist wieder Hochzeit 
Der Trauernden. Füchslein liegt mir zu
Füßen und kläfft. Ich trage einen halben
Hut. Vor einem Jahr war ich noch am Rhein
Mit einem anderen Hund. In den Film 
Auf dem Autodach schreibt jetzt einer 
Nasse Zeilen.
 

Aus: »Am besten lebe ich ausgedacht. Journalgedichte« (Haymon, 2022)