Almut Tina Schmidt
Paliano 2017: Die Feuerwehr
Kürzlich musste ich ein neues Handy einrichten. Beim Übertragen meiner Kontakte stieß ich auf den Eintrag: Vigili del fuoco – ah, natürlich, das war dieser August in Paliano vor acht Jahren, der doch nicht nur (das Gedächtnis will es so genau schon nicht mehr wissen) aus entspannter Arbeit am milden Morgen bestand, aus Ausflügen zu kühlen unterirdischen etruskischen Kammergräbern und Gemeinschaftsessen mit den Stipendiennachbarn aus der Domus Artium unterm Sternenhimmel, durch den die Perseiden flogen.
Von der Rasenfläche vor der Casa Litterarum aus sah man weit in die umgebende Landschaft. Irgendwo aus den bewaldeten Hügeln stieg fast immer Rauch auf. Schmale Säulen, kilometerweit entfernt, selten waren größere Areale betroffen, sehr selten auch Flammen zu sehen. Aber der Rauch war zu riechen, bis zur Casa Litterarum. Nie habe ich mich mehr nach Regen gesehnt.
Ab und zu ließ ein Hubschrauber sich blicken, ein Gefäß baumelte unterm Rumpf, es wirkte erschreckend klein. Aber nach wenigen Flügen über die Brandstelle war meist kein Rauch mehr zu sehen. Allerdings begann es spätestens nach zwei Tagen anderswo zu brennen.
Selten in der Nähe. Nur einmal stand auf dem Weg nach Colleferro mit einem Mal die Böschung am Straßenrand in Flammen. Mit mir im Auto saßen ein Maler und ein Bildhauer aus der Domus Artium, wir wichen kurz aus auf die Gegenfahrbahn, fuhren weiter zum Supermarkt, gingen einkaufen, als wäre nichts geschehen; auf dem Rückweg war die Straße bereits gesperrt. Es dauerte über eine Stunde, bis wir in einem weiten Bogen zurückfanden, aber ich war froh, dass es in der dünn besiedelten Gegend genug wachsame Menschen gab, und beschloss, die Notrufnummer einzuspeichern, um sie in Paniksituationen zur Hand zu haben.
Auf dem Lago Albano unterhalb von Castel Gandolfo herrschte keine Panik. Das Wasser war warm, und doch war es erfrischend, im See zu schwimmen – bis auf einmal Bewegung in die Boote jenseits des Badebereichs kam, auch die Schwimmer auswichen, mit ruhigen, aber kräftigen Bewegungen –
und schon war da ein Flugzeug, kein großes Flugzeug, aber es war bereits so nah, so tief, dass es mir riesig schien, zielstrebig stürzte es hinunter, direkt zum Wasser, flog quer durch den See, auf mich zu, so knapp über der Wasseroberfläche hin, dass die beiden Seitentanks sich füllen konnten, und kaum hatte ich zwei Stöße in Richtung Ufer gemacht, stieg das Flugzeug wieder hoch, flog weiter, zu irgendeinem Einsatz, während Boote und Badende lässig auf ihre alten Positionen zurückkehrten, die Lücke für das Löschflugzeug sich wieder schloss, als wäre nichts gewesen.
Durch meinen Aufenthalt in Paliano habe ich ein solides Vertrauen in die italienische Feuerwehr aufgebaut – und bin doch froh, dass ich sie niemals rufen musste.
Almut Tina Schmidt
