Dimitré Dinev ist Manès Sperber-Preisträger 2023
Die Manès Sperber-Gesellschaft vergibt den vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport gestifteten, mit 10.000 Euro dotierten ›Manès Sperber-Preis‹ 2023 an den aus Bulgarien stammenden, in Wien lebenden Schriftsteller, Theater- und Drehbuchautor Dimitré Dinev (55).
Die Verleihung des ›Manès Sperber-Preises‹ 2023 findet am 22. Mai 2023 im Jüdischen Museum Wien statt.
Der Preisträger
Dimitré Dinev, geb. 1968 in Plowdiw (Bulgarien), maturierte 1987 an einem deutschsprachigen Gymnasium in der bulgarischen Stadt Pasardschik. Drei Jahre später flüchtete er über die „grüne Grenze“ nach Österreich, wo er seither lebt. Hier verspürte er am eigenen Leib, was später zum Thema seiner Schriften wurde: die Enge des Flüchtlingslagers und der Massenquartiere für illegale Hilfsarbeiter. Er schlug sich als Gelegenheitsarbeiter durch und begann parallel dazu mit einem Studium der Philosophie und russischen Philologie in Wien.
Zu seinen Werken zählt der preisgekrönte Roman »Engelszungen« (2003) sowie die Bände mit Erzählungen »Ein Licht über dem Kopf« (2005) und »Barmherzigkeit« (2010). Hinzu kommen etliche Theaterstücke, Essays und zuletzt ein Filmdrehbuch.
Begründung der Jury
Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Olga Flor, freie Schriftstellerin, Marcus G. Patka, Zeit- und Kulturhistoriker mit Schwerpunkt Wiener jüdische Geschichte und Literatur, sowie Mirjana Stančić, Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin und Autorin, kam zu der folgenden Begründung:
»Im Zentrum des Werks von Dimitré Dinev steht das Fluchterlebnis und dessen Konsequenzen wie Armut und Fremdsein – eine zeitlose Thematik, deren Virulenz sich in der Gegenwart noch massiv steigert.
Der migrantische Hintergrund ist stets präsent. Lebenserfahrungen im Kommunismus vermengen sich mit jenen als unerwünschter Flüchtling in Österreich. Es vermischen sich Betrachtungen der Gegenwart mit Reminiszenzen an Diktaturen der Vergangenheit ebenso wie Realismus mit Traumszenen. Eine besondere Rolle spielen immer auch Liebe und Sexualität, weil dies, wie er meint, für arme Menschen die einzige Quelle an Freude darstelle, für die es keine Währung gebe.
Dinev schöpft seine Sprachgewalt direkt aus dem Leben und ist von enormer Authentizität. Er schreibt auf Deutsch, obwohl das nicht seine Muttersprache ist, und erreicht dabei eine neue Sprachdimension.«
In ihrer erfreuten Reaktion auf die Entscheidung der Jury betonte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer: »Dimitré Dinev schöpft aus einem reichen Fundus der Erzählkunst und berührt sein Lesepublikum mit seinen humorvollen Geschichten über die immerwährenden Themen Liebe und Glück, Sterben, Macht und Politik. Als Theaterautor bereichert und belebt er mit seinen Bühnenfassungen und –stücke die heimischen Spielpläne. Der 1968 in Bulgarien geborene Dimitré Dinev, der 1990 über die Grüne Grenze nach Österreich floh, um in Österreich schließlich ein europäischer Schriftsteller zu werden, passt wie kein anderer in die Reihe der Manès Sperber-Preisträger. Ich gratuliere ihm sehr herzlich zu dieser schönen Auszeichnung.«
Die Preisverleihung
Die Manès Sperber Gesellschaft lädt zur feierlichen Preisverleihung mit anschließendem Buffet:
Montag, 22. Mai 2023, 18:30 Uhr
Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 11, 1010 Wien
Laudatio: Jochen Hörisch
Überreichung der Urkunde: Jürgen Meindl (Leiter der Abteilung Kunst und Kultur im Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport)
Gespräch: Dimitré Dinev und Wolfgang Müller-Funk (Präsident der Manès Sperber-Gesellschaft)
Moderation: Barbara Staudinger (Jüdisches Museum Wien)
Musik: Konstantin Wladigeroff (p & cl), Alexander Wladigeroff (trp & flgn), Benjy Fox-Rosen (b & voc)
