Christa Nebenführ
Casa Litterarum
Das nächtliche Surren des Ventilators
in der Casa Litterarum in Umbrien
erinnert mich an Kuba vor dreissig Jahren,
als der Reiseführer erzählte,
dass er in den klimatisierten Hotels kaum einschlafen könne,
weil er das seit seiner Kindheit vertraute Geräusch vermisse.
Dieser Tage hat es sechsunddreißig Grad, sieben über dem langjährigen Durchschnitt.
In drei Tagen sollen es achtunddreißig werden.
Zur Siesta beginnt mein Bett zu glühen
und die Hitze zieht sich erst weit nach Mitternacht zurück.
Vor vierzig Jahren im Schlafsack
an einem griechischen Sandstrand
geleitete mich das Rollen der Wellen in den Schlaf.
Aber am frühen Morgen
stach mich die gnadenlose Sonne.
Gesegnet seien die Ventilatoren!
Wenn ich mich hier in das Internet einlogge,
sei es gesegnet oder auch nicht,
spült mir der Algorithmus Angebote
für das Luxusressort Reschio in meinen Account.
Suiten für eintausendsiebenhundert bis sechstausend Euro pro Nacht.
Ganzjährig beheizte Swimmingpools für zwei Wochen Nutzung im Jahr,
klimatisierte Zimmerfluchten.
Was sind das für Zeiten, wo
ein Gespräch über Olivenhaine keine Poesie mehr erklingen zu lassen vermag,
weil die Erde abgenutzt ist,
weil wir unseren Kinder nicht
vom Scheitern unserer Träume erzählen wollen.
Christa Nebenführ, Juli 2026
Zu den weiteren Texten und Fotos unserer Residency-Gäste: Passignano, Mikulov, Balzers, Paliano
